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Präsentation

 

Es ist überraschend, wie wenig man über den Unterschied zwischen einem schlechtes Gemälde eines berühmten Künstlers und einem wunderschönen Teppich eines unbekannten Handwerkers nachgedacht hat. Der kreativen Handarbeit ist keine besondere Würde zuerkannt worden.
In den 80er Jahren, als die post-modernen Gedanken noch Furore machten, beschloss ich,Holz zu drechseln, und so ging ich zu den drei oder vier Drechsler, die in Mailand zu der Zeit noch tätig waren, in die Lehre. Für einen Architekten hiess es: “die Mundart von Florenz zu übernehmen”. Ich stellte Teller und Tassen her. Dann schnitzte ich Pfeifen, indem ich gemischte Texturen, herstellte: oberflächliche, einkreisende faserhafte oder pflanzenhafte Schleier. Nur der Pfeifenkopf war gedrechselt. Ich arbeitete in einem drei mal anderthalb Meter grossen Raum. Einen grösseren hatte ich zur Verfügung, als ich nach Cerro umsiedelte. Es ergab sich so, dass ich von einem Mono-Mikro (die Pfeifen) zu einem Multi-Makro übergehen konnte (Lampen, Möbel, Skulpturen). In der Zwischenzeit ging ich von dem rohen, gekauften Material (Bruyereholz von der Sägerei Cresci in Sassetta) zu anderen wiederverwertbaren, gefundenen Materialien über: eine Art dem sogenannten “Wertlosen” immer mehr eine symbolische Würde zu geben.

Meine Arbeitsweise: ich blicke auf den Boden und hebe das auf, was bedeutungslos erscheint: ein vergessenes Bruchstück oder ein Stück Holz, das das Meer, der Fluss oder der See uns wiedergegeben hat.
Bearbeitungsspuren können sichtbar sein, oder die Abnützungsart weist auf eine unbekannte Lebensgeschichte hin. Oder wir erkennen die Verwandlung durch reine Naturkräfte: Wind, Wasser, Sonne.
Ein Ast erscheint also nicht wie ein Skelett, sondern wirkt wie eine Seele, die man anfassen kann. In vergessenen Metallabfällen tauchen Teile aus Messing, Kupfer, Zink oder Eisen auf.
Auch ihre Herkunft ist unsicher, aber immer wieder können wir erkennen, ob sie von einer guten Stube, aus einer Pförtnerwohnung oder sogar aus einem alten Bauerhof stammen, der bei der Vergewaltigung des Stadtrands verschwunden ist.
So ergeben sich kleine Geschichten,zusammengefügt,wie die Näherin fehlerhafte Flicken kunstvoll verbunden hat. Es handelt sich hier nicht um eine mangelhafte Technik von einst,sondern wir erkennen eine Lebensweise, vielleicht erblicken wir auch Zukünftiges.
Man flickt den Zahn der Zeit und der Menschen und so entsteht etwas Neues, das zwar nicht durch reines Schaffen nach Perfektion strebt und auch nicht nach Formlosigkeit der Materie: es will die lyrische Stimmung der Urbilder einfangen.
Ir versuchen, mit der Zeit Frieden zu schliessen. Frieden mit Chronos, der seine eigenen Kinder verschlingt, und wir versuchen sogar, die Uhrzeiger festzuhalten und das Uhrlaufwerk zu blockieren.
Schiffe , die einen Schiffbruch erlitten haben, fahren mit vollen Segeln los, und wir spielen mit der Zeitmaschine. Wir bauen Lampen in Form eines Totems. Sie leuchten. Aber vor allem leisten sie uns Gesellschaft: wie Personen.
Die Frage, warum ich an Gegenständen –sei es eine Skulptur oder ein Gebrauchsgegenstand – Gefallen finde und sie mich ansprechen,ist unwichtig. Ein Analysieren ist meiner Meinung nach sinnlos.
Die arrogante Sprache, die eine grimmige Anzeige erstatten will, oder die geflüsterte Sprache des überheblichen Spotts überlasse ich gerne anderen Angebereien von einst und immergrüne Jugendliche, sie gehören nicht zu mir.
Alles kann mit Achtung der reinen Gefühle gesagt werden.
Eine Zärtlichkeit für das Leben.
Ich habe es versucht – immer wieder vom wesentlichen Wert der Fehlerhaftigkeit fasziniert.
Patrizio Bedon, Architekt

Es ist überraschend, wie wenig man über den Unterschied zwischen einem schlechtes Gemälde eines berühmten Künstlers und einem wunderschönen Teppich eines unbekannten Handwerkers nachgedacht hat. Der kreativen Handarbeit ist keine besondere Würde zuerkannt worden.
In den 80er Jahren, als die post-modernen Gedanken noch Furore machten, beschloss ich,Holz zu drechseln, und so ging ich zu den drei oder vier Drechsler, die in Mailand zu der Zeit noch tätig waren, in die Lehre. Für einen Architekten hiess es: “die Mundart von Florenz zu übernehmen”. Ich stellte Teller und Tassen her. Dann schnitzte ich Pfeifen, indem ich gemischte Texturen, herstellte: oberflächliche, einkreisende faserhafte oder pflanzenhafte Schleier. Nur der Pfeifenkopf war gedrechselt. Ich arbeitete in einem drei mal anderthalb Meter grossen Raum. Einen grösseren hatte ich zur Verfügung, als ich nach Cerro umsiedelte. Es ergab sich so, dass ich von einem Mono-Mikro (die Pfeifen) zu einem Multi-Makro übergehen konnte (Lampen, Möbel, Skulpturen). In der Zwischenzeit ging ich von dem rohen, gekauften Material (Bruyereholz von der Sägerei Cresci in Sassetta) zu anderen wiederverwertbaren, gefundenen Materialien über: eine Art dem sogenannten “Wertlosen” immer mehr eine symbolische Würde zu geben.
Patrizio Bedon

Note

Die mehr oder weniger konventionelle Einteilung meiner Arbeiten in Gruppen folgt nur praktischen Gründen und dient der Orientierung Die selbstverständliche Überschreitung der Grenze zwischen Gebrauchs- und Kunstgegenstand ist für mich intuitiv und gehört zu meiner Arbeit Deshalb ist es unvermeidlich, dass meine Einteilung in Gruppen zweideutig erscheinen kann. Aber sie ist einfach unsystematisch.
Alle ausgestellten Gegenstände sind von mir zwischen von 2010 bis heute.